Mit der zweiten Etappe des Solarfaltdachs auf der ARA Davos setzt die Gemeinde Davos erneut ein starkes Zeichen für innovative Energielösungen im alpinen Raum. Erstmals weltweit wurden offene Rundbecken der Nachklärung mit einem Solarfaltdach überbaut – möglich durch ein neuentwickeltes Tragwerkskonzept.
Mehr Solarstrom – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch
Mit der zweiten Etappe des Solarfaltdachs baut die ARA Davos ihre Eigenstromproduktion konsequent weiter aus. Bereits seit 2020 erzeugt ein Solarfaltdach über den Vor- und Biologiebecken Solarstrom auf dem Areal. Mit der neuen Anlage über den Rundbecken kommt nun ein zweites, eigenständiges Solarfaltdach hinzu.
Gemeinsam produzieren beide Anlagen künftig rund 606 MWh Solarstrom pro Jahr – vollständig auf bereits genutzter Infrastruktur. Allein das neue Solarfaltdach über den Rundbecken liefert rund 351 MWh jährlich und nutzt dafür rund 2’400 m² bestehende Fläche. Damit zeigt das Projektbeispielhaft, wie sich die Eigenstromversorgung energieintensiver Infrastrukturanlagen Schritt für Schritt ausbauen lässt – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch und unter laufendem Betrieb.
Technologischer Meilenstein: Rundbecken erstmals überdacht
Was heute realisiert wurde, galt lange als technisch kaum umsetzbar: Die Überdachung von Rundbecken stellte aufgrund der Geometrie und der betrieblichen Anforderungen eine besondere Herausforderung dar. Bereits2020 wurde bewusst darauf verzichtet, diese Becken zu überbauen. Erst durch eine grundlegende Weiterentwicklung des Tragwerks konnte das Projekt nun realisiert werden.
Kern der Innovation ist der erstmalige Einsatz von Druckgliedern im Solarfaltdach-System. Diese übernehmen horizontale Kräftezwischen den Achsen und entlasten Tragseile, Fundamente sowie die sensiblen Randbereiche der Becken.
Grosse Spannweiten, minimale Eingriffe
Das neue Tragwerkskonzept ermöglicht sehr grosse Stützenabstände – ein entscheidender Vorteil im laufenden Anlagenbetrieb. Die Anzahl der Fundamente konnte deutlich reduziert werden, Eingriffe in die bestehende Infrastruktur wurden auf ein Minimum beschränkt. Gleichzeitig führte das optimierte Tragwerk zu einer Verkürzung der Bauzeit um rund drei Monate.
Die statische Auslegung des Systems ist auf extreme alpineBedingungen ausgelegt: Temperaturen von −20 °C bis +40 °C, hohe Schneelastensowie Winddruck und Windsog wurden umfassend berücksichtigt.
Bewährte Technik weitergedacht
Das Solarfaltdach lässt sich bei Schnee, Sturm oder Hagelautomatisch ein- und ausfahren. Schneefreie Module sorgen für eine schnelleWiederaufnahme der Stromproduktion, während der uneingeschränkte Zugang zu denRundbecken jederzeit gewährleistet bleibt – auch während Wartungsarbeiten.
Entwicklungsschritt mit Signalwirkung
Für dhp Technology AG markiert das Projekt einen wichtigen Entwicklungsschritt: Die erfolgreiche Umsetzung dient als Realtest für das neue Tragwerksprinzip und schafft die Grundlage für künftige Solarfaltdächer mit noch grösseren Spannweiten und anspruchsvoller Geometrie –etwa auf weiteren Kläranlagen oder Sonderbauten.
Die Kombination aus bewährter Seilbahntechnologie und neuem Tragwerkskonzept zeigt eindrucksvoll, wie sich bestehende Infrastruktur auch unter komplexen Rahmenbedingungen für die Solarstromproduktion nutzenlässt.
